Wer war Bertram?

22.07.2020 | LAB 6

Wer war Bertram?

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Hermann Karl Bertram wurde am 25. Juni 1872 in Krummennaab (Bayern) geboren. Seine Eltern waren der Bezirksarzt und königlicher Medizinalrat a.D. Julius Bertram sowie Anna, geb. Freiin von Notthafft-Weißenstein. Hermann Bertram legte sein Abitur an einem humanistischen Gymnasium ab und schlug dann eine Militärlaufbahn ein.

Militärlaufbahn

Seinen Dienst als Dreijährigfreiwilliger begann am 15. Juli 1891 im 11. Bayerischen Infanterie-Regiment von der Tann. Am 5. März wurde er zum Leutnant befördert und trat in das 4. Königlich-Bayerische Infanterie-Regiment König Wilhelm von Württemberg über. Am 28. Oktober 1901 erfolgte die Beförderung zum Oberleutnant.
Seine Zeit im Kolonialmilitärdienst begann 1905. Am 7. April 1905 schied er aus dem Heer aus und trat am 8. April in die Schutztruppe für Kamerun ein. Die Ausreise von Hamburg nach Kamerun erfolgte dann am 10. April. Für die Schutztruppe war Bertram bis 1908 tätig. In dieser Zeit nahm er Zeit an der sogenannten „Südexpedition“ (1905 bis 1907) als Führer der 9. Kompanie unter Hauptmann Scheunemann teil. Für kurze Zeit leitete Bertram die Expedition in Vertretung von Scheunemann. Die sogenannte „Strafexpedition“ zielte auf die Absicherung deutscher Handelsinteressen und die Unterwerfung der Gruppen, die zwischen oberem Nyong und oberem Dja lebten.
1907 wurde Bertram für seine militärischen Verdienste mit dem Königlichen Kronen-Orden 4. Klasse mit Schwerter ausgezeichnet.

Die Bertram-Sammlung

Die Objekte der Sammlung Bertram stammen größtenteils aus dem Expeditionsgebiet. 1907 hatte Dr. Friedrich Rigler an Karl Graf von Linden berichtet, dass er bald mit Bertram aus Kamerun nach Deutschland zurückkehren werde. Rigler hatte Bertram zuvor auf seiner Station besucht und von Linden berichtet, dass er dort „eine schöne Sammlung“ gesehen habe, „wie man sie in diesen Ländern sonst nur im Krieg findet“. Von Linden trat an Bertram heran und konnte ihn überzeugen, seine Sammlung von 238 Objekten aus Kamerun dem Museum zu schenken. Sie kam 1908 nach Stuttgart. Heute befinden sich noch 140 Objekte davon im Museum.

Zur Provenienz der Objekte gibt Bertram an, dass er diese „mit vieler Mühe während 2 ½-jähriger kriegerischer Tätigkeit gesammelt habe“. Bertram legte seiner Sendung auch Verzeichnisse der Sammlung bei und ordnete die Objekte verschiedenen Kategorien wie „Haushaltungs- und Schmuckgegenstände, Götzen“ zu. Darunter war auch eine Kategorie mit der Bezeichnung „Kriegsbeute“. Bertram scheint aber auch auf anderen Wegen Objekte erworben zu haben: Er schreibt weiter, dass das Sammeln und der Transport der Objekte nach Deutschland mit „teilweise ziemlich beträchtlichen Kosten“ verbunden gewesen sei und dass es ihm „trotz Aussetzung großer Belohnungen“ nicht möglich war, mehr Objekte zu erwerben.

Weiterer Militärdienst

1907 stellte Bertram einen Antrag zur Verlängerung seiner Dienstzeit für zwei weitere Jahre in der Schutztruppe, die ihm auch genehmigt wurde. Dennoch trat er bereits am 30. Juni 1908 aus der Schutztruppe aus und am 1. Juli in das Königlich-Bayerischen Infanterie-Regiment Hartmann mit gleichzeitiger Beförderung zum Hauptmann ein. Zum 1. Mai 1910 wurde er in das 22. Infanterie-Regiment versetzt und am 24. Juni 1911 schließlich pensioniert.
Finanzielle Schwierigkeiten veranlassten ihn 1912 aber wieder in den Militärdienst einzutreten und er nahm so auch am Ersten Weltkrieg teil, obwohl er bereits als felddienstuntauglich eingestuft wurde. Dies war mit seinem Ohrenleiden (Schwerhörigkeit) begründet, das eine Folge seiner Tätigkeit in Afrika sein sollte. Am 27. September 1914 fiel er bei Maricourt (Frankreich).

Text: Markus Himmelsbach

Markus Himmelsbach ist Provenienzforscher am Linden-Museum und beschäftigt sich mit der Entstehungsgeschichte der Sammlungsobjekte.

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