Auf den Spuren der Bertram-Sammlung

21.07.2020 | LAB 6

Auf den Spuren der Bertram-Sammlung

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Die Projektpartner des LindenLAB 6 planten nach dem Kennenlernen der Bertram-Sammlung im Oktober 2021 gemeinsam eine Forschungsreise in den Südosten Kameruns, in das Gebiet, das Bertram in seinen Briefen als Herkunftsgebiet nannte. Ziel sollte es sein, vor Ort Informationen über die Objekte der Betram-Sammlung und deren Bedeutung zu erhalten.

Im Dezember 2021 begaben sich Prof. Germain Loumpet, Tah Kennete Konsum und Stone Karim Mohamad auf ihre Forschungsreise. Sie trafen dabei Ruinen deutscher Militärstützpunkte aus der Kolonialzeit an und stellten fest, dass die von Bertram beschriebene Orte nicht mehr existierten. Die Bevölkerung hat sich seitdem in andere Teile der Region begeben, Dörfer sind ausgestorben oder Orte mittlerweile anders benannt.

An mehreren Orten führten die drei Projektpartner Fokusgruppeninterviews und persönliche Interviews mit der Bevölkerung sowie Autoritätspersonen durch und verwendeten dabei Fotos der Objekte, die das Linden-Museum zur Verfügung gestellt hat. So wurde versucht, Wissen über die Zeit der deutschen Kolonisierung sowie deren Auswirkung auf die Gegenwart, über Autoritätspersonen zur Zeit der Entstehung der Bertram-Sammlung, über Herstellende und mögliche Eigentümer*innen der Objekte sowie über die Bedeutung der Objekte früher und heute zu erlangen. Auch sollte so in Erfahrung gebracht werden, ob die Objekte heute noch gekannt und wie diese genannt und verwendet werden.

Es stellte sich heraus, dass einige Objekte, deren Bezeichnung und Gebrauch der Bevölkerung bekannt sind und ähnliche Objekte auch heute noch Verwendung finden sowie – zum Teil auf andere Art und Weise – weiterhin hergestellt werden. Von der kamerunischen Bevölkerung erfuhren die Objekte eine große Bewunderung aufgrund der anspruchsvollen handwerklichen Leistung, die eine Besonderheit darstelle.

Informationen über Entstehungsgeschichte oder rechtmäßige Eigentümer*innen der Objekte der Bertram-Sammlung konnten im Rahmen dieser Forschungsreise nicht erlangt werden. Ein angetroffener Zeitzeuge beschrieb die deutsche Kolonialbesetzung als brutal und berichtete davon, dass Objekte und Besitztümer insbesondere dann an sich gerissen wurden, wenn sich Gemeinden zu ihrem Schutz in Waldgebiete flüchteten.

Alle Projektpartner plädierten dafür, die Sammlung weiter zu erforschen, um weitere Informationen über deren Herstellung, Geschichte und Bedeutung zu erhalten. Einige ausgewählte Objekte können derzeit in der Ausstellung „Spuren aus dem Depot. Eine Suche nach Zukunft von Geschichte“ betrachtet werden. Auch ein Film über die Forschungsreise ist in die Präsentation integriert.

Über die unterschiedlichen Perspektiven, die von den Projektpartnern in die Forschungsreise eingebracht wurden, wird hier berichtet.

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